Strahlen angesichts unzähliger Kerzenreste: (v.l.) Schulleiter Peter Schwarze, Sammel-Initiatorin Maria Stenner-Dieckmann und Lehrerin Bianca Röhrig-Kraft. © Charlotte Wolframm
Maria Stenner-Dieckmann sammelt Kerzenreste für Dosenkerzen. Das Gymnasium hat gut ein Dutzend Kartons voll mit Kerzen gespendet.
Twistringen – Die Ukraine befindet sich im vierten Kriegswinter, dem bislang härtesten. Und weil Russland gezielt die Energieversorgung im Land angreift, kommt zu Verzweiflung und Ängsten noch massive Kälte. Ein Gefühl der Ohnmacht ergreift dann mitunter die Menschen, die von ihren gemütlichen Wohnzimmern aus die grausamen Bilder aus ukrainischen Städten sehen. Doch es ist möglich zu helfen – manchmal mit ganz einfachen Mitteln und durch Menschen, die die Initiative ergreifen.
Einer dieser Menschen ist Maria Stenner-Dieckmann. Die Twistringerin hörte von einer Freundin aus Münster von einer Aktion, die sie beeindruckte: Dort fertigen Ukrainerinnen Dosenkerzen an – Wachsreste gießen sie in alte Dosen, in die Mitte kommt ein Pappstern statt eines Dochtes. Diese Dosenkerzen geben für rund vier Stunden nicht nur Licht ab, sondern auch Wärme. Sogar Speisen kann man über den Flammen notdürftig erwärmen. Maria Stenner-Dieckmann zögerte nicht lange, sondern rief in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis dazu auf, ihr Kerzenreste zu bringen. „Die Welt steht Kopf – aber das ist ein Beitrag, den wir tun können.“
Und weil sie als ehemalige Schulsozialarbeiterin des Hildegard-von-Bingen-Gymnasiums der Schule immer noch verbunden ist, warb sie auch hier für das Projekt: Während einer Ehrungsstunde zu Beginn des zweiten Halbjahres bat sie Schüler und Kollegium um Kerzenspenden. Am Freitag holte sie die gesammelten Kerzen ab – und war baff. Gut ein Dutzend Kartons, kleinere und große, waren voll mit Kerzen. „Und ungefähr genau so viele habe ich schon zuhause – ich bin total begeistert und dankbar!“.
So viele Menschen – Nachbarschaften und Freundeskreise, Schüler und Kollegen – haben gesammelt. Die Frauen, die in Münster im Keller des St.-Franziskus-Hospitals die Kerzen gießen, bekommen viel zu tun, wenn Maria Stenner-Dieckmann ihnen die Wachsreste aus Twistringen bringt. „Die Aktion ist auf offene Ohren und auf offene Herzen gestoßen“, freut sich Maria Stenner-Dieckmann. „Es ist eine Möglichkeit, nicht nur über Christliches zu sprechen, sondern christliche Nächstenliebe praktisch zu gestalten“, meint Lehrerin Bianca Röhrig-Kraft, die die Fachgruppe Religion und die Schulpastoral leitet.
Ein Projekt, das zur Schule passt, findet auch Schulleiter Peter Schwarze. Die ausgedienten Kerzen des Adventskranzes aus seinem Büro finden nun genau so wieder Verwendung wie Lichter, die zu Abiturentlassungen brannten. „Wenn wir einen kleinen Beitrag leisten können, um den Menschen in der Ukraine Wärme und Licht zu bringen, dann machen wir das“, sind sich die Drei einig.
Gesammelt wurde auch im Twistringer Fair-Kauf – und wird es weiterhin. Sylvia Holste-Hagen wird weiter Kerzenreste annehmen und diese dann einer Twistringerin, die in Münster studiert, mitgeben, erzählt Maria Stenner-Dieckmann begeistert. Während der Öffnungszeiten des sozialen Kaufhausen, montags und donnerstags, können die Spenden abgegeben werden. Damit die Menschen in der Ukraine wärmende Kerzen bekommen. Mehr als zwei Tonnen der Dosenkerzen sind bereits auf dem Weg in die Ukraine.



