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Alle Darstellerinnen sind auf der Bühne, als sich der junge Christian (Tomke Flegel und Elisabeth Charlotte Sander) kennenlernen. © Sabine Nölker

Schulensemble begeistert mit moderner „Runenberg“-Inszenierung

Twistringen – Die Bühne hatte die Theater-AG perfekt in eine Welt zwischen bürgerlicher Idylle und dem verhängnisvollen Lockruf der Berge verwandelt. Mit ruhiger Stimme, in eine Decke gehüllt, auf einem Ohrensessel sitzend, las Lena Wessels einige Passagen des Stücks. „Willkommen zwischen Traum und Wirklichkeit“, begrüßte sie das Publikum. „Nicht alles, was ihr seht, wird sich erklären lassen. Also lasst euch ein auf den Runenberg“, lud sie ein.

Ganz besonders beeindruckte das Ensemble um Lehrerin Angelika Willner durch ein fantastisches Spiel. Die Darstellerinnen glänzten durch absolute Textsicherheit, sondern verliehen den Figuren durch eine präzise Mimik und Gestik eine bemerkenswerte Tiefe. Die Zerrissenheit des Protagonisten Christian – dargestellt von Tomke Flegel in jungen Jahren sowie Josie Hillmann im Alter – zwischen seiner Familie und der Gier nach den Schätzen des Runenbergs wurde spürbar. Leonie Mock tanzte einmal als Runenfrau über die Bühne, dann ließ sie als Waldweib mit ihrem Gelächter das Blut der Zuschauer gefrieren. Charlotte Sander stellte beeindruckend Christians Frau Elisabeth dar. Man glaubte ihr die Liebe zu ihrem Mann, aber auch ihre Verzweiflung über seine Unstetigkeit. „Warum catcht mich das Stück so?“, fragte ein junger Mann in der Pause seine Freunde. „Das Buch war so was von schlecht.“ Jetzt möchte er unbedingt wissen, wie es weitergeht. Dass das Stück auch die jungen Zuschauer „catchte“, lag wohl vor allem an der modernen Umsetzung, die Willner gemeinsam mit ihren Schülerinnen ausgearbeitet hat. Kurze, präzise Dialoge sowie eine durchaus fesselnde Musik und eine effektvolle Beleuchtung hatten eine enorme emotionale Wirkung auf das Publikum. Der Dank der AG in Richtung Technik war am Ende durchaus nachvollziehbar, hatten Fiona Kindler, Jette Wiese und Justus Heuermann doch zum Gelingen beigetragen.

Es passte an diesem Abend einfach alles zusammen: das minimalistische, aber effektvolle Bühnenbild, die Darstellerinnen mit ihren einwandfreien Darbietungen, ein Publikum, das sich bis zur letzten Sekunde in den Bann gezogen fühlte. Der Applaus fiel dementsprechend aus. Für Néa Mowes, Laureen Arbid-Kuhlmann, Hanna Küpker sowie die bereits genannten Schauspielerinnen ein unvergessener Abend. „Ich bin mit der Aufführung äußerst zufrieden“, so Willner und spart nicht an Lob. „Alle haben fantastisch gespielt.“ Die Schauspielerinnen selber waren im Anschluss so glücklich über ihren Erfolg, dass man gemeinsam beschloss, eine weitere Aufführung zu planen. „Den Termin werden wir in Kürze über die Presse veröffentlichen.“
SABINE NÖLKER